Einser-Schule: Preisregen für Schmuttertal-Gymnasium

Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf © Hermann Kaufmann ZT GmbH Florian Nagler Architekten GmbH, Foto: Stefan Müller-Naumann

Das Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf ist ein Holzbau mit Modellcharakter für zukünftige Schulbauten.

Der Neubau im deutschen Diedorf für rund 1.000 Schüler ist die erste Schule dieser Größe in Deutschland, die als reiner Holzbau und als Plusenergiehaus ausgeführt wurde. Das Vorzeigeprojekt ist aktueller Seriensieger bei einigen wichtigen Architekturpreisen.

Nach dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2016 konnte das Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf vor kurzem zwei weitere Preise für sich gewinnen: den Deutschen Holzbaupreis 2017 und den Deutschen Architekturpreis 2017. Bei so viel Auszeichnung muss einiges richtig und richtungsweisend sein: Der Schulneubau schafft neue Räume für neue Lernformen und das in einer Bauweise, die CO2 spart, nachwachsende Ressourcen nutzt und im Betrieb weniger Energie verbraucht als - mit Photovoltaikanlage am Dach - selbst produziert.

Das Schulgebäude ist der dritte Lehrer

Kinder haben drei Lehrer: Der erste sind die anderen Kinder, der zweite sind die Lehrer und der dritte ist das Schulgebäude. So besagt es ein schwedisches Sprichwort und das Gymnasium in Diedorf versteht sich auch so.

"Nachhaltiges Lernen setzt nachhaltige Architektur voraus", bringt es Frank Schwindling, Leiter der Fachgruppe Bauen im Landratsamt Augsburg und zuständig für die neu gebaute Schule auf den Punkt.

In Diedorf wurden Lernlandschaften statt Klassenzimmer umgesetzt. Vielfältig nutzbare Räume bieten Platz für informelles, selbständiges Lernen. Ihre offene, zugleich aber auch intime Qualität verdanken die Räumlichkeiten nicht zuletzt dem Holzbau. Es sind helle Räume mit sichtbarer Holzkonstruktion. Stützen, Träger, Balken und Sparren aus weißlasiertem Brettschichtholz wechseln sich mit Akustikelementen aus Holzwolle-Leichtbauplatten ab. Alle eingesetzten Materialien wurden gründlich auf ihre baubiologische Verträglichkeit hin überprüft. Die Holz-Atmosphäre wird von allen Beteiligten hoch geschätzt.

"Die Anmutung des Stoffes Holz wird als positiv empfunden, gerade von den Kindern. Der Baustoff lässt sich gut formen, er riecht gut, er gibt eine erlebbar und spürbar gute Atmosphäre. Klima und Komfort sind als außerordentlich gut zu bewerten - so gut, dass teilweise Eltern mit dem Argument, ihre Kinder seien Asthmatiker, um einen Schulplatz ansuchen", weiß Frank Schwindling weiter zu berichten.

"Nimmt man die Lebenszyklusbetrachtung hinzu, wird der Bau günstig"

Entwurf und Planung für die preisgekrönte Schule stammen aus einer deutsch-österreichischen Kooperation. Architekten Hermann Kaufmann aus Schwarzach/A haben sich mit Florian Nagler Architekten aus München/D zur ARGE Diedorf zusammengeschlossen und das Projekt gemeinsam umgesetzt. Die holzverschalten Baukörper mit den leicht geneigten Dächern und integrierter PV-Anlage zitieren die landwirtschaftlichen Bauten in der Region und fügen sich behutsam in die Landschaft am Rande des Naturparks Augsburg ein. Die Decken sowie die Gebäudehülle im Passivhausstandard wurden in Elementen vorgefertigt. Dank des hohen Vorfertigungsgrads konnte das Gymnasium kostengünstig und schnell errichtet werden.

"Alles in allem betrachtet ist das Projekt wirtschaftlich", resümiert Frank Schwindling. "Bei den reinen Baukosten lagen wir etwas über dem Durchschnitt; stellt man den Luftkomfort in Aussicht, ist es auskömmlich; nimmt man die Lebenszyklusbetrachtung hinzu, wird der Bau günstig. Auch konnten wir durch die Bauweise Wartungskosten reduzieren".

Modell für Schulbauten der Zukunft

Die verliehenen Preise für das Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf verstehen sich auch als Ansage für die Zukunft. Bildungsbauten zählen zu den großen Bauaufgaben in den nächsten Jahren, langfristig tragfähige Konzepte sind gesucht. Das Gymnasium in Diedorf hat Modellcharakter und zeigt, dass es möglich ist, mit überschaubaren Budgets herausragende und nachhaltige Schulen zu realisieren.

Daten & Fakten

Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf
Standort: Schmetterlingsplatz 1, Diedorf/D
Bauherr: Landkreis Augsburg
Planung: Florian Nagler Architekten, München/D und Architekten Hermann Kaufmann, Schwarzach/A
Umfang: 16.046 m² Bruttogeschossfläche, 81.390 m³ Bruttorauminhalt
Konstruktion: Holzrahmenbau mit 24 cm Mineralwolldämmung und außen liegender Fichtenschalung
Fertigstellung: 2015

Weiterführende Infos

Die angeführten Zitate stammen aus einem Interview der Zeitschrift Zuschnitt mit Frank Schwindling, Kreisbaumeister und Leiter der Fachgruppe Bauen im Landratsamt Augsburg. Hier gibt es das vollständige Interview zum Nachlesen.

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