Holz brennt sicher

Sicherheitszentrum aus Holz für Feuerwehr, Polizei, Berg- und Wasserrettung in Bezau © Norman Radon

Feuerwehren vertrauen auf den Baustoff Holz: Das bringen auch Feuerwehrgebäude aus Holz wie das Sicherheitszentrum in Bezau in Vorarlberg zum Ausdruck.

Holz ist ein Baustoff, der brennen kann. Dennoch weisen Häuser aus Holz in Sachen Brandschutz keine Nachteile auf. Im Gegenteil: Unter Feuerwehrleuten gelten sie sogar als besonders sicher.


Verheerende Brandkatastrophen aus dem Mittelalter, bei denen ganze Städte zerstört wurden, prägen noch immer die Vorstellung vieler Menschen, wenn es um die Brandsicherheit in Holzhäusern geht. Die einst berechtigte Angst vor Bränden in Holzgebäuden ist heute jedoch überholt. Jedes Gebäude - egal aus welchem Baustoff es errichtet ist - muss die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen erfüllen. Holzbauten entsprechen den Brandschutzvorschriften wie alle anderen Bauten auch.

Brandschutzkriterien und Feuerwiderstandsdauer

Je nach Größe und Nutzung eines Gebäudes gelten bestimmte Regeln, was den baulichen Brandschutz anbelangt. Ein wesentliches Kriterium stellt die geforderte Feuerwiderstandsdauer dar. Sie legt fest, wie lange bestimmte Bauteile einem Brand widerstehen müssen, ohne ihre Funktion zu verlieren. Insbesondere Tragfähigkeit und Raumabschluss müssen erhalten bleiben, um den Einsturz von Gebäuden bzw. die weitere Brandausbreitung zu verhindern.

In Österreich sind die Brandschutzvorschriften in der OIB Richtlinie 2 Brandschutz festgelegt. Die Bezeichnungen für die Brandwiderstandsdauer bestehen nach europäischem Regelwerk aus dem Kürzel REI und einer Zahl, also z.B. REI 90. REI steht für die Kriterien Tragfähigkeit (R), Raumabschluss (E) und Wärmedämmung (I). Die Zahl bezeichnet die Zeit in Minuten, für die diese Funktionen im Brandfall mindestens erhalten bleiben müssen.

Holz bleibt tragfähig, auch wenn es brennt

Bei Holz sorgt ein chemischer Prozess dafür, dass die Tragfähigkeit lange erhalten bleibt. Brennt Holz, entsteht an den Außenseiten nämlich eine Holzkohleschicht, die das darunter liegende Holz schützt und dafür sorgt, dass es im Kern unbeschädigt bleibt.

Die Zellwände des Gerüststoffs Zellulose, der sich durch die Photosynthese im Holz bildet, bestehen aus langkettigen, ursprünglich nicht brennbaren Molekülen. Steigt die Temperatur im Holz, beginnen sich alle darin enthaltenen Teilchen immer stärker zu bewegen. Bei 100 Grad Celsius verdampfen die Wassermoleküle, bei 200 bis 300 Grad Celsius brechen die langkettigen Verbindungen auf. Es entstehen gasförmige und brennbare kurzkettige Verbindungen. Diese haben ein höheres Volumen als die festen Teilchen und gelangen durch Überdruck an die Holzoberfläche, wo sie mit dem Sauerstoff aus der Luft reagieren und verbrennen. Sobald aus der obersten Holzschicht alle Gase entwichen und verbrannt sind, setzt der Verkohlungseffekt ein. Und der schützt in weiterer Folge das Holz vor der völligen Zerstörung, weil durch das verkohlte Holz an der Außenseite eine weitere Sauerstoffzufuhr ins Holzinnere verhindert wird.

In der Praxis werden tragende Holzbauteile mit einem Zuschlag zur statisch erforderlichen Dimension bemessen, so dass auch bei Abbrand der äußeren Schichten eine ausreichende Tragfähigkeit gewährleistet ist. Bei Brettschichtholz z.B. beträgt die Abbrandgeschwindigkeit etwa 0,7 mm pro Minute. Stützen aus Brettschichtholz können ohne Probleme eine Standsicherheit von mehr als 90 Minuten im Brandfall aufweisen.   

Holz brennt berechenbar und kontrollierbar

Holz weist in seinem Brandverhalten im Vergleich zu anderen Baustoffen insgesamt mehrere Vorteile auf. Holz brennt gleichmäßig und langsam ab. Es schmilzt nicht, tropft nicht und bricht nicht plötzlich ein. Dem gegenüber stehen z.B. Stahlkonstruktionen, die bei Brandeinwirkung plötzlich und unvorhersehbar versagen können. Feuerwehrleute löschen lieber in Holzgebäuden, weil hier das Brandverhalten im Voraus berechnet werden kann und daher kontrollierbar ist.

Forschungsarbeit zum Nachweis des Feuerwiderstands

Dass Holzbauteile den entsprechenden Feuerwiderstand aufweisen, wurde von der Holzwirtschaft in laufender Forschungsarbeit und mit zahlreichen Brandversuchen nachgewiesen. 1990 konnten in Österreich erstmals Holzkonstruktionen auf einen Feuerwiderstand von 90 Minuten geprüft werden. Heute kann Holz infolge der erbrachten Nachweise standardmäßig als Konstruktionsbaustoff in Gebäuden mit bis zu 6 Geschossen eingesetzt werden und steht auf gleicher Augenhöhe mit allen anderen Baumaterialien.

Weiterführende Links

Brandschutzvorschriften in Österreich. Anforderungen nach OIB-Richtlinie 2

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