Holzwohnbau Hummelkaserne Graz

Holzwohnbau Hummelkaserne Graz © Paul Ott

Holz in der Stadt: 4 mal 6 Geschosse, 1.600 m³ verbautes Holz auf dem Areal der ehemaligen Hummelkaserne in Graz

Urbaner Wald aus Holzbauten statt Betondschungel: Auf dem Areal der ehemaligen Hummelkaserne in Graz wurde eines der jüngsten und bislang größten Wohnbauprojekte aus Holz in Österreich realisiert. Der Wohnbau umfasst 4 jeweils 6-stöckige Holzgebäude mit insgesamt 92 Wohnungen.

So lässt es sich wohnen in der Stadt: ein parkähnliches Gelände mit großzügigen Grünanlagen, entlang der autofreien Siedlungsstraße vier Wohnbauten aus Holz mit freundlichen Holzfassaden und begrünten Dächern. Jede der 92 Wohnungen ist optimal besonnt und hat einen Garten oder einen großzügigen westseitigen Balkon. Seit Sommer 2016 ist auf dem Areal der ehemaligen Hummelkaserne Leben eingekehrt und die Mieter sind in die begehrten Gemeindewohnungen eingezogen.

Stadtentwicklung mit Holz

Die Stadt Graz setzte im Stadtentwicklungsgebiet Reininghausgründe auf den Baustoff Holz und hat ein beispielhaftes Projekt in Sachen nachhaltiges Bauen umgesetzt. Dabei wurden die Möglichkeiten der in der Steiermark seit 1. Jänner 2016 geltenden neuen Bautechnikverordnung ausgenutzt. Nach den neuen OIB-Richtlinien sind Holzbauten mit bis zu 6 Geschossen ohne Sondergenehmigung machbar. In der Steiermark gibt es eine weitergehende Vereinfachung für den Holzbau: Die neuen Brandschutzvorschriften sehen einen Brandschutzwiderstand von 60 statt 90 Minuten vor. Die von sps architekten entworfenen Wohnhäuser des Vorzeigeprojekts Holzwohnbau Hummelkaserne sind jeweils 6 Stockwerke hoch und in Holzmassivbauweise gebaut. Lift- und Stiegenhauskerne sind betoniert, Wände und Decken aus vorfertigten Brettsperrholzelementen errichtet. Bei den Deckenträgern kam Baubuche zum Einsatz. Aufgrund der Eigenschaften des Laubholzes konnten sie um ein Drittel niedriger dimensioniert werden als im Fall von Nadelholz.

Die Gebäude sind mineralisch gedämmt und mit hinterlüfteten, geschlossenen Fassaden aus vertikalen Lärchenholzbrettern versehen. Eine verblechte Fuge jeweils auf Höhe der Geschosse verhindert das direkte Aufeinandertreffen der Bretterstöße und gliedert die Gebäude horizontal.

Nur 4 Tage Bauzeit pro Geschoss

Dank des hohen Vorfertigungsgrads war die Bauzeit kurz. Alle 4 Tage wuchs ein Geschoss in die Höhe. Insgesamt wurden rund 1.600 Kubikmeter Lärchen-Brettsperrholz verbaut. Das ist nicht nur gut für das Klima (jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet 1 Tonne CO2), sondern auch für die regionale Wertschöpfung. Denn produziert und montiert wurden die Holzbauteile von steirischen Unternehmen.

Die vier Bauten sind Passivhäuser mit einem Heizwärmebedarf von nur 9 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr. Sie sind mit Photovoltaik, Wärmerückgewinnung, kontrollierter Wohnraumbelüftung und E-Tankstelle ausgerüstet. 

Baukosten im Rahmen der Wohnbauförderung

Die Baukosten für den Holzwohnbau beliefen sich auf 9,8 Millionen Euro und waren nicht höher als bei einem Bau mit herkömmlichen Materialien. Bereits im Wettbewerb musste garantiert werden, dass das Budget der steirischen Wohnbauförderung nicht überschritten wird. Mit weitsichtiger und kostenschonender Planung ist es gelungen, dennoch ein hohes architektonisches, konstruktives und ausführungstechnisches Niveau zu erreichen. Verzichtet wurde etwa darauf, die Betonoberflächen in den Stiegenhäusern zu verputzen. Sie blieben sichtbar und wurden mit einem Farbkonzept, das auch zur Orientierung dient, aufgewertet.

Bleibt nur ein Wermutstropfen aus Sicht des Architekten: Einfacher, billiger und atmosphärisch vorteilhafter wäre es auch gewesen, das Holz in den Wohnungen sichtbar zu belassen. Hier entschied sich die Bauherrschaft aber für eine Beplankung mit Gipskartonplatten. "Das ist einem unbegründeten Misstrauen gegenüber dem Holz geschuldet: Denn nicht die Massivholzwände werden im Lauf der Zeit unansehnlich, sondern die verputzten Gipsoberflächen verzeihen keine 'Fehler' in Form von Flecken oder Nagellöchern", so Simon Speigner.

Noch mehr Holzbauten in der Nachbarschaft

Graz hat sich auf dem Gelände der Reininghausgründe mehrfach zum Baustoff Holz bekannt. In unmittelbarer Nähe des Wohnbaus Hummelkaserne steht das auch in Holzmassivbauweise gebaute, im Jahr 2014 fertiggestellte Pflegewohnheim Peter Rosegger. Ebenfalls am Areal befinden sich 12 Wohngebäude mit 3 bis 5 Geschossen in Holz-Lehmbauweise, die 2015 fertiggestellt wurden.    

Holzwohnbau Hummelkaserne

Standort: Maria-Pachleitnerstraße 22-28, Graz
Bauherr: ENW - Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH
Architektur: sps architekten
Anzahl der Wohnungen: 92
Bruttogeschossfläche: 8.003 m², Nutzfläche: 6.600 m², umbauter Raum: 22.065 m³
Energiekennzahl: 9 kwh/m²a
Fertigstellung: 2016

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