Rettet der Wald das Klima?

Wald von oben © proHolz Austria Wurnig

Schreitet die Erderwärmung weiter voran, werden Österreichs Wälder in 30 bis 100 Jahren zur Kohlenstoffquelle. Die Holzverwendung hingegen weist einen dauerhaft positiven Effekt auf die Treibhausgas-Bilanz auf.

Wälder schlucken CO2 und tragen zur Klimaentlastung bei. Geht es mit der Erderwärmung ungebremst weiter, werden sie hierzulande jedoch selbst zur CO2-Quelle. Die gute Nachricht: Holzverwendung hilft. Das haben Waldforscher im Rahmen des Projekts "CareForParis" herausgefunden.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf das Ökosystem Wald aus und hinterlässt in den heimischen Wäldern bereits sichtbare Spuren. Hitze und Trockenheit schwächen die Bäume und Schädlinge wie der Borkenkäfer haben leichtes Spiel. Die Veränderungen, die im Wald aufgrund des Klimawandels passieren, werden auch Auswirkungen auf den Klimaschutz-Beitrag der Wälder haben. Die Wälder nehmen CO2 aus der Luft auf und speichern den Kohlenstoff im Holz. Noch wächst dieser Kohlenstoff-Vorrat und hilft beim Klimaschutz. Bei fortschreitendem Klimawandel ist dieser Beitrag aber gefährdet.

Experten des Bundesforschungszentrums für Wald, der BOKU Wien, des Kompetenzzentrums Wood K plus und des Umweltbundesamtes haben weit in die Zukunft geblickt und in Modellrechnungen aufgezeigt, wie es konkret mit Österreichs Wäldern bis 2150 weitergeht, wenn es nicht gelingt, die Erderwärmung gemäß dem Pariser Klimaabkommen auf unter 2 Grad Celsius zu beschränken. Dabei haben sie zwei unterschiedliche Klimaszenarien betrachtet.

Gemäßigter oder doch extremer Klimawandel?

  • +2,4 Grad Celsius Erderwärmung bis 2150 - leicht höhere Erderwärmung als das 2-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens vorsehen würde
  • +7 Grad Celsius Erderwärmung bis 2150 (bzw. +4,3 Grad Celsius bis 2100)  - extremer Klimawandel deutlich über den Pariser Klimazielen

Geänderte Vorzeichen im Wald

Zusätzlich zu den Temperaturentwicklungen wurden verschiedene Szenarien von Veränderungen im Wald und im Umgang mit dem Wald unter die Lupe genommen.

  • Was wäre, wenn es aufgrund von weniger Niederschlägen (Trockenheit) und häufigeren Stürmen zu mehr Schadholz kommen würde?
  • Was wäre, wenn Bäume bereits nach 75 Jahren anstatt nach 100 geerntet werden würden? (Dies wäre eine Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel, denn ältere Waldbestände ab einer Höhe von 25 bis 30 Meter Höhe sind anfälliger für Stürme.)
  • Was wäre, wenn es weniger Fichten und mehr Laubbäume (Buche, Eiche, Ahorn) geben würde? (Laubbäume kommen mit den geänderten klimatischen Bedingungen deutlich besser zurecht als Fichten.)
  • Was wäre, wenn weniger Holz aus dem Wald genutzt werden würde? (Zum einen durch mehr unberührte Waldflächen, zum anderen durch geringere Holzerntemengen auf bewirtschafteten Waldflächen)

Auch veränderte wirtschaftliche Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Ölpreisentwicklung und Holznachfrage flossen in die Prognosen der Forscher mit ein.

Von der CO2-Senke zur CO2-Quelle

So unterschiedlich die verschiedenen in die Zukunft gerechneten Szenarien auch sind, eines haben sie alle gemeinsam: Österreichs Wälder werden früher oder später zu einer Kohlenstoffquelle. Allerdings variieren die Zeitspannen, bis es dazu kommt, stark. Im schlechtesten Fall werden die heimischen Wälder bereits in 30 Jahren zur CO2-Quelle, im besten Fall erst in 100 Jahren. Eine wesentliche Erkenntnis des Projekts "CareForParis" ist daher, dass es für den Erhalt der Klimaschutzwirkung der heimischen Wälder unbedingt notwendig ist, die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten.

Die Vermeidung von Treibhausgasemissionen hat oberste Priorität.

Thomas Ledermann, Bundesforschungszentrum für Wald

In langlebige Holzprodukte investieren

Neben der Treibhausgasbilanz der Wälder haben die Forscher auch die Treibhausgasbilanz von Holzprodukten ins Visier genommen. Dabei hat sich - als zweite wesentliche Erkenntnis der Studie - gezeigt , dass die Verwendung langlebiger Holzprodukte wie Möbel, Bauteile, Fenster oder Türen den tatsächlichen Hebel im Klimaschutz bringt. Denn der Einsatz von Holzprodukten trägt - anders als die Wälder - über den gesamten Simulationszeitraum von 2020 bis 2150 zu einer CO2-Entlastung bei. Holzprodukte wirken als Kohlenstoffspeicher wie ein zweiter Wald.  Zudem ersetzen sie Produkte aus anderen Rohstoffen und vermeiden damit die CO2-Emissionen, die diese verursachen würden (Substitutionswirkung).  

Die Holzverwendung leistet einen enorm wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Speichereffekte können bis zum Doppelten der Waldsenke betragen.

Peter Weiss, Umweltbundesamt

Wälder in Ruhe lassen?

Die Substitution ist auch die wesentliche Erklärung dafür, warum es wenig Sinn macht, deutlich weniger Holz aus den Wäldern zu nutzen oder Wälder unberührt stehen zu lassen. Das hieße nämlich, dass anstatt Holz wieder mehr Produkte aus fossilen Rohstoffen zum Einsatz kommen würden.

Wird weniger Holz genutzt, stellt der Wald zwar für einen beschränkten Zeitraum eine stärkere CO2-Senke dar, die gesamte Bilanz fällt allerdings schlechter aus, weil als Ersatz weitgehend auf fossile Rohstoffe zurückgegriffen werden muss. Für die Dekarbonisierung ist Holz ein unverzichtbarer Rohstoff.

Peter Weiss, Umweltbundesamt  

KlimaschutzCO2SubstitutionCareForParis