Über Eisstäbchen, Weinfässer und Parfumdüfte aus Holz

Eis am Stiel

Der Holzstiel hilft, dass das Eis am Stiel nicht so schnell schmilzt.

Holz hat seinen festen Platz im Alltag. Aber warum ist Holz das bewährte Material für viele Gebrauchsgegenstände? Ganz einfach: Holz riecht gut, fühlt sich gut an, reguliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit und sorgt insgesamt für eine angenehme Atmosphäre.

Dass Eisstäbchen, Weinfässer und sogar Parfums aus Holz sind, kommt nicht von ungefähr. Holz punktet hier mit seinen besonderen physikalischen Eigenschaften und spricht die Sinne an.

Das Stieleis und der Holzstiel

Das Eis am Stiel ist eine zufällige Erfindung. Es geht angeblich auf den Amerikaner Frank Epperson und das Jahr 1905 zurück. Der damals Elfjährige braute sich eine Limo und ließ diese samt Rührstab auf seiner Veranda stehen. In der darauffolgenden, frostigen Nacht war das Eis am Stiel geboren.

Weniger zufällig als die Erfindung des Stieleises ist, dass aus dem Stiel ein Holzstiel wurde. Professor Alfred Teischinger von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien dazu: "Es gibt wohl mehrere Gründe, warum Holz damals wie heute die beste Lösung für das Eisstaberl ist. Holz ist nicht wärmeleitend. Es wirkt eher als Isolator. An einem Plastikstaberl würde das Eis viel schneller in der Hand schmelzen und man hätte an einem heißen Sommertag die Malaise." Außerdem bietet das Holzstäbchen den Fingern ausreichend Grip, ist geschmacksneutral und zersetzt sich - wird es einmal  unachtsam ins Gras geworfen - ohne Rückstände, so Teischinger.

Die warme Parkbank

Die angesprochene schlechte Wärmeleitfähigkeit von Holz ist auch der Grund, warum sich Holz für uns stets warm anfühlt. Jeder kennt das: Die Parkbank aus Holz ist im Winter um vieles angenehmer als die aus Metall. Aber wie kann das das sein? Bei gleicher Umgebungstemperatur müssten doch auch alle Gegenstände die gleiche Oberflächentemperatur haben? Das haben sie auch, aber die Wärmeleitfähigkeiten sind unterschiedlich.

200 Millisekunden dauert es, bis der Mensch den Kontakt zu einer Oberfläche und damit  zu deren Eigenschaften wahrnimmt - etwa wenn er die Hand auf den Tisch legt. Bei Berührung fließt so viel Energie vom warmen zum kalten Körper, bis beide Körper die gleiche Oberflächentemperatur erreicht haben. Genau genommen fühlt man diesen Wärmestrom und nicht die Oberflächentemperatur. Bei Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit, wie zum Beispiel Metall, entsteht ein hoher Wärmestrom. Metall entzieht der Hand schneller die Wärme und fühlt sich deshalb kälter an. Holz ist ein schlechter Wärmeleiter, es entzieht der Hand nur langsam die Wärme und man empfindet seine Oberfläche als angenehmer.

Das atmende Eichenfass

Holz gibt gerne mal ein Lebenszeichen von sich. Es knarrt und knackt. Meist unsichtbar für das Auge bewegt es sich, dehnt sich, biegt sich - man könnte sagen, es atmet. Verantwortlich dafür ist das natürliche Streben des Holzes nach einer ausgeglichenen Luftfeuchtigkeit. Holz reagiert auf den Wasserdampfgehalt in der Luft. Das führt zu Quellen und Schwinden des Holzes je nach Raumfeuchte. Ist das Klima schwül und sind die Holzfasern nicht gesättigt, quillt es. In geheizten, trockenen Räumen gibt es die Feuchtigkeit wieder ab und schwindet.

Eine 1 Meter breite Tischplatte kann sich derart innerhalb eines Jahres um bis zu 1 Zentimeter ausdehnen und wieder zusammenziehen. Unbehandelte Holzflächen helfen so, das Raumklima natürlich zu regulieren. Diese Eigenschaft des Holzes bleibt über Jahrhunderte erhalten - und sie wird auch seit langer Zeit genutzt. Nicht zuletzt in Eichenfässern, in denen der Wein die optimale Luftzufuhr von außen erhält.

Das hygienische Jausenbrett

Die "Atmung" des Holzes hat einen weiteren Effekt, der insbesondere im Kontakt mit Lebensmitteln von Bedeutung ist: Holz wirkt antibakteriell. Holz entzieht Keimen buchstäblich ihren Nährboden, weil es in seinen Zellwänden relativ schnell die Flüssigkeiten bindet, in denen Bakterien leben. Je weniger Wasser bereitsteht, desto schneller sterben die Bakterien ab. Mikrobiologische Studien haben gezeigt, dass sich auf Kunststoff, Metall oder Glas länger eine dünne Nährlösungsschicht hält und Bakterien in feinen Ritzen besser überleben können als auf Holzoberflächen. Die Ehre des hölzernen Jausenbretts ist also gerettet.

Bestimmte Hölzer schaffen zudem noch mit einem natürlichen Bakterium Abhilfe: Kiefern, Lärchen und Eichen beinhalten aromatische Gerbstoffe, die Keimen schnell den Garaus machen.

Der teuerste Duft der Welt

Die meisten Menschen mögen den Duft von Holz. Essenzen aus Rose, Sandel, Zeder oder anderen Hölzern bilden folgerichtig auch die Basisnote vieler Parfumdüfte, insbesondere vieler Männerparfums. Die wahrscheinlich wertvollste Parfum-Basisnote stammt aus dem Adlerholz. Der Adlerholzbaum ist in Indien, Malaysia, Indonesien, Laos, Thailand und Vietnam zuhause. Das hoch begehrte Holz wird heute grammweise verkauft und übertrifft die Rohstoffwerte von Gold und Platin.

Dass Holz duftet, liegt an Extraktstoffen. Sie kommen nur in vergleichsweise geringen Mengen im Holz vor und sind im Wesentlichen zwei Gruppen chemischer Verbindungen zuzuordnen: Den Terpenen bzw. Terpenoiden - davon sind mehr als 30.000 bekannt - und den Phenolen bzw. Phenylpropanoiden - dazu zählen z.B. Eugenol (Nelkenaroma) und Vanillin. So geht etwa der Geruch von altem, vergilbtem, stark holzhaltigem Papier auf Vanillin zurück.

Das Zirbenzimmer

Sofern der Duftstoff nicht aus dem Holz herausgelöst wird (wie bei Holzessenzen für Parfums), gibt das Holz ihn sehr dosiert und lang anhaltend an die Umgebung ab. Zimmer mit Zirbenausstattung versprühen auch viele Jahre nach ihrer Errichtung noch einen besonderen Duft.

Inneneinrichtungen aus Holz wird eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Ob das auch am Duft liegt? Wahrscheinlich sind es all die guten Eigenschaften zusammen, die Holz zum unangefochtenen Material Nummer 1 für viele Dinge des Alltags macht.


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