Urlauben auf Norwegisch

Rastplatz Tungeneset © Jarle Waehler/Statens vegvesen

Architektur am Straßenrand wird in Norwegen zum sinnlichen Erlebnis, zur Begegnung mit einer spektakulären Landschaft.

Norwegen erkundet man am besten fahrend. Auf den Nationalen Touristenstraßen geht es mit dem Auto von Rastplatz zu Rastplatz, dabei begegnet man viel Natur - und Holz.

Norwegens Straßen führen fast immer durch spektakuläre Naturlandschaften, daher kommen jeden Sommer zahlreiche Autotouristen nach Norwegen. 1998 beschloss die norwegische Regierung, 18 der vorhandenen Panoramastraßen auf einer Länge von insgesamt 1.600 Kilometern zu Nationalen Touristenstraßen auszubauen. Kern dieses Projekts war es, für die Naturliebhaber hinter dem Lenkrad am Rande der Straßen zahlreiche Rastplätze und Aussichtspunkte einzurichten.

Rastplätze so attraktiv wie die Landschaft selbst

Für die Gestaltung der Rastplätze und Aussichtspunkte schrieb das norwegische Straßenbauamt Wettbewerbe aus und engagierte Architekten, Künstler und Ingenieure. Man wollte ästhetisch anspruchsvolle Architekturinterventionen schaffen, die Bezug auf die natürlichen Gegebenheiten nehmen. Durch einen Gestaltungsrat wurde die Qualität gesichert und so sind viele der neuen Haltepunkte, obwohl meist mit minimalistischen Budgets umgesetzt, selbst zu Attraktionen geworden. Bei vielen von ihnen spielt Holz eine tragende Rolle. 

Sognefjellet im Süden


Beginnen wir mit einem Rastplatz, der den Wald in den Mittelpunkt rückt. Liasanden in Sognefjellet im Süden des Landes wurde mitten in einem Kiefernwald platziert. Das norwegische Architektenteam Jensen & Skodvin wollte die für den Wald charakteristischen Lichtstimmungen erhalten und versah das Waldstück nur mit wenigen ergänzenden Eingriffen. Auf einem Schotterbelag fährt man mit dem Auto durch den Wald hindurch. Die Bäume, die quasi mitten im Weg stehen, sind mit einer Schutzhülle ummantelt. Zudem gibt es Rastmöbel aus norwegischer Kiefer und Beton.

Die Lofoten im Nordwesten

Gleich mehrere Rastplätze mit Holz als Hauptakteur findet man auf den Lofoten, einer Inselgruppe nördlich des Polarkreises vor der norwegischen Nordwestküste. 


Für den Picknickplatz am Austnesfjorden suchte Landschaftsarchitekt Inge Dahlman (Landskapsfabrikken) nach einer Lösung, die ohne große Erdarbeiten auskommt und die Natur möglichst schont. Entstanden ist ein über 400 Meter langer Holzsteg, der vom ringförmig angelegten Parkplatz weg über Felsen und karges Grün zum höchsten Punkt führt. Von dort hat man freie Sicht aufs Wasser und auf eine malerische Kapelle.


Der Aussichtspunkt Stegastein in Aurland erweckt den Eindruck einer im Nichts verlaufenden Brücke. Eine Holz-/Stahlkonstruktion ragt über die Felskante hinaus: 4 Meter breit, 30 Meter lang, 9 Meter hoch und mehr als 600 Meter über dem Sognefjord. Die Gehfläche zieht eine Schleife über den äußersten Punkt hinaus zurück zum Hang. Was nach einem Punkt mit Absturzgefahr aussieht, ist sicher. Am Ende der Rampe bildet eine kaum wahrnehmbare Glasplatte ein Geländer.

Die Architekten Todd Saunders und Tommie Wilhelmsen wollten der atemberaubenden Landschaft mit einer ausdrucksstarken Form begegnen. Bei den Besuchern löst die Konstruktion Faszination und Unbehagen zugleich aus.

Ich war oft dort und habe Menschen gesehen, die nicht auf die Rampe hinausgehen wollten. Andere bewegten sich voller Vertrauen hinaus, verlangsamten ihre Schritte, bevor sie an die Kante kamen, und legten ihre Hände dann langsam auf das Glas

Todd Saunders

Die Stahlkonstruktion wurde in 7 Teilen vorgefertigt, um sie auf der engen, kurvenreichen Straße zur Baustelle transportieren zu können. Die Seitenwände bestehen aus 7,6 Zentimeter dicken, beschichteten Holzträgern, Bodenbelag und Untersicht aus druckimprägniertem Weichholz. Die Oberflächen sind darauf ausgerichtet, möglichst wenig Pflege- und Wartungsaufwand zu verursachen.  


70°N arkitektur errichteten in Torvdalshalsen einen gemütlichen Picknickplatz für Touristen und in Grunnfor zwei Vogelbeobachtungstürme. Von den 6,5 Meter hohen Türmen lassen sich tausende Vögel, die sich zur Brutzeit in den Reservaten Gardsvatn und Skaerpvatn aufhalten, beobachten. Unten befindet sich ein wettergeschützter Raum mit schmalem Fenster, oben die Beobachtungsplattform mit großen Öffnungen für bestmögliche Aussicht.


Um die extrem starken Winde aufzunehmen und trotzdem keine störenden Erschütterungen an die Kameras und Ferngläser weiterzugeben, besteht die Tragstruktur der Türme aus Stahl, die Fassaden und der Innenausbau sind aus unbehandeltem Nadelholz.

Die Insel Senja


Noch nördlicher als die Lofoten liegt die Insel Senja. In Bergsbotn öffnet sich die Aussicht auf Nordsee und Bergsfjord. Auf einem fast 30 Meter langen Steg kann man der Natur nahe kommen. Code arkitektur haben die weit auskragende Unterkonstruktion aus Stahl, beplankt mit Bohlen aus Sibirischer Lärche entworfen. Die Stahlkonstruktion bringt Zug- und Druckkräfte in ein Gleichgewicht, bei starkem Wind beginnt die Plattform allerdings zu schwingen. Die Erhebung in der Mitte des Bauwerks ist dann nur sehr mutigen Besuchern zu empfehlen.


Ebenfalls von Code arkitektur geplant ist Tungeneset, ein Rastplatz an der Spitze zweier Fjorde mit spektakulärer Aussicht auf die Nordsee im Westen und den Okshornangipfel im Norden. Ein Steg, der zwischen Felsen und Wasser zu schweben scheint, führt zum Picknickplatz am Fjord. Das gleichmäßig ergrauende Holz der Sibirischen Lärche wurde von den Architekten bewusst als Kontrast zur rauen Fjordlandschaft eingesetzt.

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