Viel Holz beim Bauherrenpreis 2018

Häuser im Wald, Bauherrenpreis 2018 © Heldentheater - Hollmann-Turrach

Häuser im Wald und aus Holz - eines der insgesamt 6 mit dem Bauherrenpreis 2018 ausgezeichneten Projekte.

6 Preise wurden vergeben, bei 4 davon spielt Holz eine Rolle. Der Bauherrenpreis würdigt Bauprojekte, bei denen aus intensiver Kooperation zwischen Bauherr und Architekt außergewöhnliche Lösungen entstanden sind.

Der Bauherrenpreis zählt zu den wichtigsten Architekturpreisen in Österreich. Seit 1967 wird er jährlich von der Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreichs vergeben. Heuer wurden 106 Bauten eingereicht, Nominierungsjurys besichtigen alle Einreichungen und ermitteln pro Bundesland die bis zu 3 besten Projekte. Daraus sind 22 Nominierungen entstanden, wovon letztlich 6 zu Preisträgern gekürt wurden. Der Baustoff Holz wird immer beliebter und dominiert mit besonders innovativen Projekten den Bauherrenpreis 2018.

Häuser im Wald

3 Blockhäuser stehen zwischen Zirben- und Lärchenbäumen. Gemeinsam mit einer straßenseitig errichteten Gemeinschaftsscheune samt Garage bilden sie auf 1.700 Meter Seehöhe ein hotelähnlich geführtes Feriendomizil, das seinen Gästen die Erfahrung gönnt, mitten im Wald zu wohnen. Die Häuser beanspruchen eine minimale Grundfläche, nur 3 Bäume mussten weichen, damit sie errichtet werden konnten. Die Sockel- und Erschließungsbereiche der Häuser sind aus dunkel eingefärbtem Sichtbeton mit vertikaler Bretterschalung gegossen. In der Holzblockbauweise der Wohnräume und in der Eindeckung der Dächer mit Brettern haben Winkler + Ruck Architekten bei regionalen Bauernhäusern Anleihen genommen. Die 20 cm dicken Blockwände mit in die Konstruktion eingefräster Dämmung als fremde Feder kommen ganz ohne Verkleidung aus. Die Räume wurden nach Baumlänge bemessen, die abgebundenen Stämme mit einer Zinkung versehen.

Standort: Turracher Höhe, Kärnten/A
Bauherr: Robert Hollmann
Architektur: Winkler + Ruck Architekten, Klagenfurt/A
Fertigstellung: 2017

Paneum - Wunderkammer des Brotes

backaldrin-Firmeninhaber Peter Augendopler hat in 3 Jahrzehnten 15.000 Kunst- und Kulturobjekte rund um das Thema Brot zusammengetragen. Um die faszinierende Welt des Brotes mit anderen zu teilen, hat der gelernte Bäcker und Erfinder des Kornspitz ein kleines Spezialmuseum errichten lassen. Der Entwurf für das PANEUM stammt von Coop Himmelb(l)au. Architekt Wolf D. Prix genoss das uneingeschränkte Vertrauen seines Auftraggebers. Die intensiven Schilderungen von Augendopler ließen ihn an ein Wolkenschiff denken, an eine "Arche Noah, mit der wertvolle Objekte in eine andere Welt gerettet werden sollen". In diese andere Welt werden die Besucher nun geführt. Über einer schlichten Sichtbetonbox erhebt sich eine gebauchte Figur aus 3D CNC-gefrästen Brettsperrholzelementen, deren 88 Schichten durch Stahlschrauben miteinander verzahnt sind. Im Innenraum bleibt die lasierte Oberfläche der kreuzverleimten Lagen sichtbar, außen wurde der konstruktive Holzbau mit über 3.000 rautenförmigen Edelstahlschindeln bekleidet.

Standort: Asten, Oberösterreich/A
Bauherr: backaldrin International The Kornspitz Company GmbH
Architektur: COOP HIMMELB(L)AU Wolf D. Prix & Partner, Wien/A
Fertigstellung: 2017

Volksschule Dorf Lauterach

Die bestehende Volksschule der Marktgemeinde Lauterach in Vorarlberg war zu klein geworden. In einem EU-weit ausgeschriebenen zweistufigen Wettbewerb setzte sich das Um- und Neubauprojekt des Grazer Architekturbüros Feyerlik/Fritzer durch. Ein Zubau aus den 1950er Jahren wurde abgerissen, das 80 Jahre alte Hauptgebäude saniert. In ihm sind nun die Werk- und Verwaltungsräume untergebracht. Die neuen Unterrichtsräume befinden sich in rund um den Bestand gestreuten Pavillons. Sie sind in Holz-Beton-Hybridbauweise errichtet und organisieren die Schule in 4 Cluster zu je 4 Klassen. Die Architektur ist für Vorarlberg untypisch. Zudem wird ein pädagogischer Neuansatz verfolgt. Die Schule ist mit ihrem offenen Raumkonzept und verschränkten Freiflächen für kommende Formen der Ganztagesbetreuung bestens gerüstet. Die Cluster-Pavillons öffnen sich nach innen zu einem zentralen "Marktplatz" für schulstufenübergreifende Aktivitäten und nach außen zu vorgeschalteten Wintergärten mit direkten Austritten ins Freie. Begrünte Dächer geben den Kindern die verbaute Bodenfläche als Spielwiese zurück.

Standort: Lauterach, Vorarlberg/A
Bauherr: Marktgemeinde Lauterach
Architektur: Feyerlik/Fritzer, Graz/A
Fertigstellung: 2018

Bundesschule Aspern

Das für 1.100 Schüler konzipierte Bundesschulzentrum am Hannah-Arendt-Park im Südwesten der Seestadt ist ein terrassierter lichtdurchlässiger Baukörper, durch dessen Membranhaut die schlanke Stahlkonstruktion schimmert. Holz kommt in Form eines Sägezahndachs ins Spiel. Die Tragkonstruktion aus Holz überspannt die mehrgeschossige Aula. Der Entwurf zu diesem Schulbau stammt von fasch&fuchs.architekten. Ein fortschrittliches Raum- und Funktionsprogramm unterstützt individuelle Förderung, Arbeiten in unterschiedlichen Gruppengrößen, selbstorganisiertes Lernen und Projektunterricht. Die Unterstufe ist als Cluster-System organisiert, jeweils 4 Klassen teilen sich einen offenen Lernbereich. In der Oberstufe gilt das sogenannte Department-System, in dem die Unterrichtsräume den Fachgruppen (Sprachen, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik) zugeordnet sind. Die Schüler der Oberstufe haben somit keine Stammklassen mehr, sondern wandern je nach Unterrichtsfach von einem Department zum anderen. Zusätzlich finden sie ihren individuellen Arbeitsplatz in 4 separaten "Homebases" mit wohnlicher Atmosphäre und direktem Zugang zu den Terrassen.  

Standort: Seestadt Aspern, Wien/A
Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft
Architektur: fasch&fuchs.architekten, Wien/A
Fertigstellung: 2017

Ausstellungstipps

Die Preisträger sowie alle nominierten Projekte werden von 23. Oktober bis 23. November 2018 im Rahmen einer Ausstellung im HDA Graz zu sehen sein. Ebenso werden die Preisträger und Nominierten in der Reihe Architektur im Ringturm ab 10. Dezember 2018 in Wien sowie in mehreren österreichischen Architekturhäusern präsentiert.

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