Vom Stab zur Platte - Holzbauweisen im Überblick

Holzmassivbauweise Via Cenni Mailand © proHolz Polaris

Beim Wohnbau in der Via Cenni in Mailand wurden vier 9-geschossige Bauten in Holzmassivbauweise mit Brettsperrholz errichtet.

Früher dominierten stabförmige Bauweisen wie der Skelett- und der Rahmenbau den Holzbau. Die Holzmassivbauweise mit flächigen Bauteilen hat konstruktives Neuland eröffnet.

Traditionell ist Holz ein stabförmiger Baustoff. Aus den Baumstämmen werden Balken, Latten und Pfosten gesägt. Größe und Dimension dieser "Stäbe" sind durch den naturgewachsenen Baum bestimmt. Sie werden vertikal, horizontal oder diagonal eingesetzt und bilden ein Tragsystem, das dann beplankt bzw. ausgefacht wird. So definiert sich die stabförmige Bauweise. Seit Jahrhunderten und auch heute noch wird so gebaut. Pfahlbauten und Fachwerkhäuser sind frühe Beispiele.

Der neue Holzbau aus massiven Elementen

Ende des 20. Jahrhunderts hat sich zu den stabförmigen Holzprodukten ein neues flächiges Holzprodukt gesellt - die massive Holzplatte. Mehrere kreuzweise übereinandergelegte und miteinander verleimte Holzlagen (Brettsperrholz) ergeben eine in mehrere Richtungen statisch belastbare Platte. Diese Holzplatte kann wie eine Stahlbetonplatte eingesetzt werden. Sie hat das das Bauen mit Holz einfacher und vielfältiger gemacht und die konstruktiven Möglichkeiten immens erweitert.

Holzmassivbauweise

Großformatige, plattenförmige Vollholzelemente werden als Wände, Decken oder Dächer eingesetzt und übernehmen die Funktion des Tragwerks. Die Holzmassivbauweise ermöglicht es, nun auch im Holzbau in Flächen zu denken. Fenster- und Türöffnungen können aus den Wandelementen ausgenommen werden, ohne dass ein übergeordnetes Raster berücksichtigt werden muss. Tragstruktur und Dämmebene sind klar getrennt, die Dämmung wird von außen auf das Tragwerk aufgebracht. Im Innenraum kann das Holz sichtbar bleiben oder verkleidet werden. Die Holzmassivbauweise eröffnet neue Dimensionen bis zum Bau von Hochhäusern aus Holz.

Produktionstechnisch ist bei der Holzmassivbauweise ein hoher Vorfertigungsgrad möglich, der kurze Bauzeiten vor Ort mit sich bringt. Die plattenförmigen Bauelemente werden im Werk hergestellt und mit Anschlussdetails ausgestattet. Dann werden sie zur Baustelle transportiert und in kürzester Zeit zusammengesetzt.

Als historischer Vorläufer der Holzmassivbauweise gilt der Blockbau. Dabei werden Wände aus waagerecht übereinander geschichteten Holzbalken errichtet.

Holzskelettbau

Bei den stabförmigen Bauweisen wird zwischen Holzskelett- und Holzrahmenbau unterschieden. Charakteristisch für den Holzskelettbau ist eine stabförmige Tragkonstruktion, die in einen Großraster eingebettet ist und nicht tragende, raumabschließende Elemente verwendet. Dadurch ist eine große Variabilität in der Grundriss- und Fassadengestaltung möglich. Die Lastabtragung erfolgt konzentriert an wenigen Stützen. Die Gebäudeaussteifung wird über einzelne diagonale Streben in der Tragwerksebene oder durch die nichttragenden Wände, die vom Holzskelett konstruktiv unabhängig sind, bewerkstelligt.

Holzrahmenbau

Bei der Holzrahmenbauweise werden Holzrahmen beidseitig mit Holzwerkstoffplatten (Spanplatten, OSB-Platten) oder Gipsplatten beplankt. Durch die Beplankung wird die Tragkonstruktion ausgesteift. Die Hohlräume zwischen den Beplankungsplatten sind mit Dämmstoff gefüllt. Da die Wärmedämmung bereits integriert ist, können die Wände relativ dünn gehalten werden. Ähnlich wie beim Holzmassivbau lassen sich auch im Holzrahmenbau sehr hohe Vorfertigungsgrade erzielen.

Raummodulbauweise

Eine Bauweise, die besonders für Bauaufgaben mit vielen immer gleichen, sich wiederholenden Einheiten wie etwa Hotels oder Wohnheime geeignet ist, ist die Raummodulbauweise. Hier werden ganze Räume in der Werkhalle produziert, zur Baustelle transportiert und dort gestapelt.

Hybridbauweise

Wenn verschiedene Baustoffe kombiniert werden, spricht man von der Hybridbauweise. Häufig werden die Vorteile von Holz gemeinsam mit den Vorteilen von Beton genutzt. Besonders bewährt hat sich die Holz-Beton-Verbunddecke - eine Holzdecke mit einer Aufbetonschicht. Sie ermöglicht größere Spannweiten bei geringeren Deckenstärken und zugleich guten schall- und brandschutztechnischen Eigenschaften. 

HolzmassivbauweiseHolzskelettbauweiseHolzrahmenbauweiseRaummodulbauweiseHolz-Beton-Hybridbauweise