Wohnbau aus Holz - warum nicht?!

Wohnanlage Hummelkaserne © paul ott photographiert

Wohnbauten aus Holz sind qualitätvoll und nachhaltig, dabei aber nicht aufwändiger oder teurer als konventionelle Wohnbauten.

Holz ist nicht nur beliebter Baustoff für's Einfamilienhaus, sondern eignet sich auch hervorragend für den Einsatz bei Wohnbauten mit mehreren Stockwerken.

Technische Innovationen haben Holz zu einem Hightech-Werkstoff gemacht, Bauen mit Holz ist in völlig neuen Dimensionen möglich geworden. Zu stabförmigen Bauelementen gesellen sich heute flächige dazu. Moderne Holzbausysteme, die die Vorteile verschiedener Bauweisen kombinieren, erlauben einfaches, modulares Bauen, das auch nach oben keine Grenze kennt. Es entstehen mittlerweile sogar Hochhäuser mit bis zu 24 Stockwerken aus Holz.

Ökologisch und dabei nicht teurer

Vieles spricht dafür, vermehrt auch Wohnbauten - die den größten Teil des gesamten Hochbaugeschehens ausmachen - in Holz zu bauen. Erfahrungen aus bereits umgesetzten Holzwohnbauten mit 3 bis 6 Stockwerken zeigen, dass diese Gebäude nicht aufwändiger oder teurer sind als konventionelle, meist aus Ziegel oder Beton errichtete Wohnbauten. Im Gegenteil: Bauen mit Holz ist sicher, schnell und wirtschaftlich. Die ökologischen Vorteile gibt's als Draufgabe noch dazu.

Beispiel Wohnanlage Hummelkaserne Graz

Ausschlaggebend für uns waren die rasche Bauzeit, die hohe Vorfertigung und die geringe Treibhausgasbelastung für die Umwelt. Auch die Tatsache, dass beim Holzbau eine wesentlich geringere Lärmbelästigung für die Nachbarn besteht, war für uns von Bedeutung.

Wolfram Sacherer, Vorstandsvorsitzender Wohnbaugruppe Ennstal

Im Fall der Wohnanlage Hummelkaserne in Graz waren die Baukosten genauso hoch wie bei einer konventionellen Bauweise. Schon im Wettbewerb musste die Einhaltung des Kostenrahmens garantiert werden. Zur Wirtschaftlichkeit tragen nicht zuletzt die kurzen Bauzeiten im Holzbau bei. Hier wurde alle 2 Tage ein Geschoss errichtet.

Bauherr: Wohnbaugruppe Ennstal, ENW - Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, Graz
Planung: sps architekten, Thalgau
Anzahl der Wohnungen: 92 (gefördert)
Nutzfläche: 6.600 m²
Bauweise: Holzmassivbau (Decken und Wände), Stahlbeton (Untergeschoss und Stiegenhäuser)
Bauzeit: 18 Monate
Fertigstellung: Juli 2016

Wirtschaftliche Vorteile des Holzbaus

Zur Wirtschaftlichkeit eines Wohnbaus tragen nicht nur die primären Errichtungskosten, sondern auch verschiedene andere Faktoren bei. Der Holzbau punktet hier durch:

  • bis zu 45 % kürzere Bauzeiten. Dadurch ist eine frühere Vermietung bzw. ein früherer Verkauf möglich und die Zwischenfinanzierung kürzer. Kurze Bauzeiten heißen zudem weniger Kosten für Baustelleneinrichtungen und weniger Schmutz- und Lärmbelastung für Anrainer.
  • mindestens 3 % mehr Nutzfläche. Der Holzbau hat bei gleichen bauphysikalischen Werten geringere Wandstärken, es entsteht mehr vermiet- bzw. verwertbare Fläche.
  • 2/3 weniger Gewicht. Das deutlich geringere Gewicht von Holzbauten gegenüber mineralischen Bauten spart Kosten bei der Fundierung und Dimensionierung der Bodenplatten sowie bei den Hebewerkzeugen.
  • 7 mal weniger LKW-Fahrten. Diese Zahl trifft zu, wenn man die Baustofftransporte für einen 8-geschossigen Wohnbau in Holzbauweise mit einem Wohnbau derselben Größe in konventioneller Bauweise vergleicht.
  • hohe Vorfertigung. Die Möglichkeit der industriellen Vorfertigung ist ein entscheidender Vorteil von Holz gegenüber anderen Baustoffen. Wände und Decken werden witterungsunabhängig in der Werkhalle vorfabriziert, zur Baustelle transportiert und dort in kurzer Zeit errichtet. Mit der Vorfertigung direkt verbunden sind hohe Termin- und Kalkulationssicherheit, vorausgesetzt man berücksichtigt die Besonderheiten der Vorfertigung adäquat und zeitgerecht in der Planung.

Beispiel Wohnanlage Paulasgasse Wien


"Wir wissen, dass der Holzbau teurer ist. Wir waren vom Holz aber überzeugt und haben es geschafft, diese Wohnanlage im Rahmen der gedeckelten Wohnbaukosten zu errichten. Holz ist ein ökologischer Baustoff, der gut in unsere Philosophie passt. Die Wohnanlage in der Paulasgasse war von Anfang an in Holz geplant."
Johann Gruber, Geschäftsführer Neues Leben

Aufgrund der Holzbauweise entstand in der Wohnanlage Paulasgasse in Wien mehr vermietbare Nutzfläche. Die Außenwände des Holzbaus sind nur 40 cm statt 50 bis 60 cm stark, und das bei gleichen bauphysikalischen Werten. Die Bewohner profitieren von angenehmer Raumatmosphäre und hoher Ausführungsqualität. Bisher gab es noch so gut wie keinen Bewohnerwechsel.

Bauherr: Neues Leben - Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft, Wien
Planung: Riepl Kaufmann Bammer Architektur, Wien
Anzahl der Wohnungen: 60 (gefördert)
Nutzfläche: 4.995 m²
Bauweise: Holzrahmenbau (Außenwände), Holzmassivbau (Decken), Stahlbeton (Stiegenhäuser)
Bauzeit: 18 Monate
Fertigstellung: Februar 2016

Aktiver Klimaschutz durch Bauen mit Holz

Wohnbauten aus Holz zu bauen, hilft aktiv, die Treibhausgasemissionen des Bausektors zu reduzieren. Bauen mit Holz schützt das Klima, und zwar in mehrfachem Sinn:

  • Holz ist ein nachwachsender Baustoff. Jede Sekunde wächst in Österreichs Wäldern 1 Kubikmeter Holz nach, in dem rund 1 Tonne CO2 gebunden wird.
  • Dieses CO2 bleibt der Atmosphäre solange erspart, solange das Holz stofflich genutzt wird. Erst wenn das Holz verrottet oder verbrannt wird, wird wieder Kohlenstoff frei, der sich mit Sauerstoff zu CO2 verbindet. Gebäude aus Holz tragen also über ihre gesamte Lebensdauer zur CO2-Entlastung bei.
  • Holz ersetzt andere endliche Ressourcen wie Kunststoff, Metall oder mineralische Baustoffe. Das nennt man Substitution. Je höher der Holzanteil ist (Primärkonstruktion, aber auch Fenster, Türen, Fassaden etc.), desto höher ist die Substitutionswirkung. Der ökologische Fußabdruck eines mehrgeschossigen Wohnhauses lässt sich so um bis zu 48 Prozent reduzieren.
  • Holz ist ein Kreislaufprodukt. Nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit des Recyclings und der Wiederverwertung von Holzbauprodukten schneiden Holzbauten in Ökobilanzen bzw. Lebenszyklusanalysen besonders gut ab.

Beispiel Wohnhaus Rosenstraße Linz


"Die Diözese versucht, in allen Themenfeldern nachhaltig und behutsam mit der Schöpfung umzugehen. Da ist es naheliegend, dass wir mit Holz, einem nachwachsenden Material, bauen und CO2 einsparen."
Johannes A. Wöckinger, Geschäftsführer Diözesane Immobilien-Stiftung

Für den Wohnbau Rosenstraße in Linz wurden etwa 600 m³ Holz verwendet. Diese Menge bindet 600 Tonnen CO2 und wächst in Österreichs Wäldern in rund 10 Minuten nach. Die Wahl fiel auch wegen der hohen regionalen Wertschöpfung auf die Holzbauweise. Es wurde vor allem mit lokalen mittelständischen Unternehmen gebaut.

Bauherr: Diözesane Immobilien-Stiftung (DIS), Linz
Planung: X ARCHITEKTEN, Linz
Anzahl der Wohnungen: 19 (frei finanziert)
Nutzfläche: 2.265 m²
Bauweise: Holzmassivbau (Wände und Decken), Stahlbeton (Untergeschoss, Stiegenhaus)
Bauzeit: 13 Monate
Fertigstellung: Juli 2016

Sicher und langlebig

Gebäude aus Holz erfüllen alle Schutzfunktionen, ohne deshalb aufwändiger oder teurer zu sein.

  • Der Brandschutz bedeutet längst keinen Mehraufwand mehr. Laut OIB 2 dürfen in Österreich Gebäude mit bis zu 6 Geschossen in Holzbauweise ohne zusätzliche Brandschutzmaßnahmen errichtet werden. Darüber ist ein Brandschutzkonzept erforderlich.
  • Decken und Wände aus Holz erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen an den Schallschutz.
  • Hochgedämmte Außenbauteile aus Holz besitzen ausgezeichnete Dämmeigenschaften
  • Holz hat eine hohe Festigkeit und Tragkraft bei geringem Eigengewicht. Bei normgerechter Bauweise sind Holzbauten sehr langlebig.

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