Wolkenschiff aus Holz

PANEUM © PANEUM Markus Pillhofer

88 fein einander gefügte Brettsperrholzschichten ermöglichen die freie Form der selbsttragenden Holzkonstruktion.

Ein aufsehenerregender Holzbau lässt Besucher in die Kulturgeschichte des Brotes eintauchen. Das PANEUM in Asten in Oberösterreich ist eine ausgeklügelte Holzschalenkonstruktion in freier Form.

Peter Augendopler, Inhaber der Firma backaldrin, hatte die Idee. Aus der 15.000 Kunst- und Kulturobjekte mit Bezug zum Brot umfassenden Sammlung seines Unternehmens sollte eine Ausstellung entstehen, die den Stellenwert von Brot in allen Epochen der Menschheitsgeschichte verdeutlicht. Architekt Wolf D. Prix von COOP HIMMELB(L)AU lieferte die Form für das ehrgeizige Vorhaben. Ein "Wolkenschiff" sollte es werden. Den Anstoß dazu haben ausführliche Gespräche mit Auftraggeber Peter Augendopler gegeben. "Seine intensive Schilderung hat mich an eine Arche Noah erinnert, mit der wertvolle Objekte gleichsam in eine andere Welt gerettet werden sollen", so Wolf D. Prix.

Ein Zukunftsbau fürs Brotmuseum

Das vom Backgrundstofferzeuger backaldrin im Oktober 2017 eröffnete PANEUM wird über ein quaderförmiges Sockelgebäude betreten. Dieses bildet das Fundament und dient als Kundeninformationszentrum und Veranstaltungsforum. Die eigentliche Ausstellung - das Brotmuseum - befindet sich in der darüber schwebenden Holzkonstruktion, die über eine spiralförmig angelegte Treppe erschlossen wird. Das freitragende Wolkenschiff besteht aus dreidimensional CNC-gefrästen, millimetergenau vorgefertigten und fein einander gefügten Holzbauteilen. Die rauen Oberflächen der insgesamt 88 Brettsperrholzschichten schaffen eine besondere Atmosphäre im Innenraum. Außen ist der Holzbau von rund 3.000 Schindeln aus Edelstahl umhüllt. Mit seiner außergewöhnlichen Formensprache ist das Gebäude ein gebauter Beweis dafür, dass freie Formen in Holz konstruiert und realisiert werden können. Es sieht nicht nur futuristisch aus, sondern markiert bautechnisch tatsächlich einen Schritt in die Zukunft: "3D-Plotten, 3D-Fräsen und mit Robotern bauen - so sieht die Zukunft des Bauens aus", führt Wolf D. Prix aus. Und hier zeigt der Holzbau seine Möglichkeiten.

Wunderkammer mit 1.200 Exponaten

Ägyptische Kornmumien und Spielzeugautos, peruanische Totempfähle und Meissener Porzellan zählen ebenso zur in den letzten 30 Jahren zusammengetragenen Sammlung von backaldrin wie Zunftgeräte, Gemälde und Bücher. 1.200 Exponate aus 9 Jahrhunderten werden im PANEUM gezeigt und machen die Bedeutung von Brot erlebbar, spürbar und greifbar. Die Schau ist nach dem Vorbild einer barocken Wunderkammer konzipiert. In den italienischen "gabinetti delle curiosità" des 16. Jahrhunderts wurden Raritäten und Kuriositäten aus dem Blickwinkel des Sammlers gezeigt und um Geschichten rund um die Objekte ergänzt. So ist auch das entstandene Brotmuseum nicht nach streng wissenschaftlichen Kriterien aufgebaut, sondern lebt von der bunten Mischung der Exponate, regt zum Staunen an und ergänzt wissenswerte Informationen.

Daten & Fakten

PANEUM - Wunderkammer des Brotes
Standort: Asten, Oberösterreich/A
Bauherr: backaldrin International The Kornspitz Company GmbH
Architektur: COOP HIMMELB(L)AU Wolf D. Prix & Partner, Wien/A
Umfang: 20 Meter hoch, 1.850 m² Bruttogeschossfläche
verbaute Holzmenge: 393 m³ Brettsperrholz
Fertigstellung: 2017

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